Dienstag, 2. September 2014
Reise, Ankunft, Camping, Tweedsmuir Trek
Früh Morgens um 5 Uhr ging es los Richtung Hamburg Flughafen. Komisches Gefühl bald für 1 Jahr weg zu sein und ans andere Ende der Welt zu fliegen. Von Hamburg ging es über Frankfurt nach Vancouver. Kurz bevor wir landeten kam Ich mit einer Frau aus Oregon ins Gespräch und sie erzählte mir, dass sie vor 40 Jahren einen Schüleraustausch nach Dänemark gemacht hat und gerade zusammen mit ihrem Mann rüber geflogen ist wegen einer Hochzeit.

Am Vancouver Flughafen wartete dann erstmal eine Propellermaschine auf mich, die zu meinem Zielflughafen nach Smithers fliegen sollte. War mir nicht so ganz sicher ob ich da einsteigen wollte, weil ich den nicht so ganz traue. “Zum Glück” saß ich am Notausgang und die nette Suadess redete in einem so schnellen Englisch und fragte mich und einen anderen Mann auf der gegenüber liegenden Seite, ob wir denn wüssten wie man das Ding benutzt. Er bejahte das ganze und ich hatte keine Ahnung was sie von mir wollte. Meinen Blick nach dachte sie sich wahrscheinlich das ich null Ahnung habe wie ich in einem Notfall zu reagieren habe. Hat sich dann aber geklärt als mir eine Ältere Dame neben mir das noch mal in langsamen verständlichem Englisch erklärte. Jetzt wusste ich zwar das ich was tun musste, aber nicht wie… wie auch immer, der Flug verlief glücklicherweise ohne Komplikationen und so landete ich zwar mit ein bisschen Verspätung aber glücklich und erschöpft in Smithers. Warum Smithers mit 7000 Einwohner einen Flughafen hat und Petersfehn nicht, weiß ich nicht.
Sogleich wurde ich von meiner ersten, von insgesamt drei Gastfamilien und einigen Freunden mit einem Tim Hortens Becher empfangen (Ist eine Fast food Kette, die die besten Donuts und Ice Kaffee’s in ganz Amerika macht und die man so gut wie an jeder Ecke findet).

Ich erläutere eben kurz ein paar Personen, die wahrscheinlich in den nächsten Einträgen noch öfter vorkommen werden. Meine Gastfamilie besteht aus meinen beiden Gasteltern Jean und Richard, meinen beiden Gastbrüdern Connor (16) und Brian Vossen (21) und den beiden Hunden Biskit und Sidkat. Aber eigentlich leben noch mehr Menschen da. Der beste Freund von Connor, Marcus (16) und Steven (21) leben mit mir und Vossens unter einem Dach. Wenn ich das vorher nicht gewusst hätte, hätten sie glatt meine Gastbrüder sein können oder im Prinzip sind sie das sogar.

Erstaunlicherweise hatte ich so gut wie keinen Jetlag. Hab 7 Stunden durchgeschlafen, auf einem der bequemsten Betten überhaupt. Es gibt anscheinend kein Lattenrost, die legen einfach zwei dicke Matratzen übereinander. Das Haus liegt relativ zentral im Ort, ca. 2 km von meiner Schule entfernt, die regulär Anfang September beginnen soll, aber wahrscheinlich wegen eines Lehrerstreiks später beginnen wird. Obwohl ich muss zugeben, dass man bei einem Ort mit 2000 Einwohner eigentlich nur zentral wohnen kann. Das Haus liegt direkt an einem großen See und bis jetzt hatten wir Temperaturen von bis zu 30 C°, sodass wir gleich am ersten Tag in den schwimmen gegangen sind.

Gegen späten Mittag zog sich der Himmel zu und das nicht wegen Wolken sondern wegen Rauch. Unweit von Burns Lake herrschen die größten Waldbrände in ganz British Columbia und zur Zeit der drittgrößte in seiner Geschichte. Richard hat mir dann auch direkt gezeigt wie sich der Rauchmelder anhört… wohlmöglich nicht die schlechteste Idee.

Noch am gleichen Tag lernte ich meinen Youth Exchange Officer (YEO) kennen. Ihr Name ist Leone McHugh und sie ist bei Problemen und weiteren Fragen die Rotary betrifft meine Ansprechpartnerin und wird meine dritte Gastmutter.
Das erste Wochenende verbrachten wir mit Camping an einem See 40 km von unserem Haus entfernt.

Was mir aufgefallen ist, dass so gut wie jeder der in Burns Lake und um zu wohnt einen Wohnwagen, einen Truck und ein kleines Paddelboot besitzt. Wir waren angeln, sind mit dem Quad gefahren und haben uns in ein aufblasbaren Donut hinter ein Jet Ski gesetzt. Letzteres war keine gute Idee. Bei 55 km/h übers Wasser zu gleiten war schon der Hammer aber irgendwann musste man ja auch wieder runterkommen. Endete mit Kopfschmerzen und leichten Gleichgewichtsstörungen. Was da Angeln betrifft, hab Ich meinen ersten Fisch gefangen, aber die Regebogenforelle war zu klein und so haben wir sie wieder zurück getan.

Zusammen mit Campern und Freunden von Jean und Richard haben wir dann bis spät in die Nacht am Lagerfeuer gesessen bis sich Marcus, Connor und Ich in ein 1,80m x 1,80m Zelt reingelegt haben, das eigentlich für zwei Leute gedacht ist. Zumindestens war es warm..

Schon zwei Tage später ging es los auf den Tweedsmuir Trek. Der einwöchige Ausflug fand im Tweedsmuir National Park statt, den man nur über Boot und Wasserflugzeug erreichen kann und der einer der größten, wenn nicht der größte Nationalpark in ganz Kanada ist. Zusammen mit den meisten Austauschschülern, die ebenfalls mit Rotary im Distrikt 5040 sind und ein paar Jugendlichen aus Burns Lake, mit denen ich dann auch wahrscheinlich ab Anfang September in die Schule gehen werde (die Lehrer streiken gerade, es könnte später werden!), ging es dann früh morgens los Richtung Tweedsmuir. Nach 6 Stunden Reise mit Bus und Boot kamen wir endlich in unseren Camp an. Ich werd noch ein paar Bilder mitschicken damit man sich besser vorstellen kann, aber es waren moderne Holzhütten mit jeweils 5 Betten, fließend Wasser, einem Holzofen und einem Tisch. Was für viele von uns eine große Überraschung war, da wir uns auf Camping eingestellt hatten.

Es waren einige Erwachsene mit, die mit uns fischen gegangen sind, gekocht haben und den Trip mit organisierten. Tolle neue Menschen, die Ich dort kennen lernen durfte, aus vielen Ländern wie: Kanada, Belgien, Taiwan, Japan, Frankreich, Brasilien und Mexiko und unter anderem auch meine beiden nächsten Gastfamilien. Familie Douglas und McHugh, super nett ! Meine Familie werd ich voraussichtlich Anfang Dezember wechseln und dann noch einmal Ende März.

One of the adults, his name is Murray (75) and he's looking around all the time so Connor asks him:"Murray, what are you looking for ?" "I'm looking for my knife, but all I can find are my balls. And I don't know if thats a good thing, cause I don't need them anymore."

Am dritten Tag hab ich meinen (ersten) richtigen Fisch gefangen, eine 1 Pound schwere Regenbogenforelle. In Kanada ist es Tradition oder zumindestens auf dem Trek, dass man ein Fischauge von seinem ersten Fisch isst. Am Anfang des Treks wurden wir gefragt:”What is the most weird thing you have ever eaten ?” Jetzt hätte ich ne neue Antwort gehabt.

Das absurdeste ist dann aber am letzten Abend passiert. Dave, einer der Betreuer, fährt seit 10 Jahren mit auf den Tweedsmuir Trek und hat, was ja nicht ungewöhnlich ist im Alter, eine Glatze. Drei Jungs aus Burns Lake und zwei Austauschschüler, einer aus der Taiwan der andere aus Frankreich, wollten unbedingt die gleiche “Frisur” haben wie Dave um mit ihm ein Foto zu machen… Gesagt getan, Foto schick ich mit.

Auf diesem Trek ist mir sehr bewusst geworden, dass dieses Auslandsjahr eine einmalige Chance ist und man es genießen sollte, aber eben auch was neues ausprobieren kann und auch mal Sachen machen sollte, die man vielleicht zu Hause nicht machen würde….Dazu gehört aber nicht seine Haare abzurasieren ;)

Liebe Grüße aus Kanada,

Justus

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